Die Verbundenheit von allem & wie uns unsere Praxis mit dem Leben in Kontakt bringt

In English: The interconnectedness of all + how our practice allows us to come into contact with life

Letzte Woche habe ich aus Versehen jemanden beim Autofahren abgeschnitten – und es hat sich richtig unangenehm angefühlt. Ich hatte diesen kleinen Moment, in dem sich mein Körper zusammengezogen hat. Ugh, ich habe das richtig gespürt. Und dann gestern habe ich einen Kommentar gelesen, in dem jemand ziemlich gemeine Worte gesagt hat. Und da war es wieder – diese Reaktion meines Körpers, dieses kleine Zumachen. Keine große, intensive Reaktion, einfach ein sanftes Zusammenziehen. Und ich wurde daran erinnert, dass das passiert – dass wir diese kleinen Momente ständig erleben. Einfach Menschen, die im Alltag miteinander in Beziehung stehen. Das tägliche Leben ist voll von kleinen Momenten der Kontraktion.

Und genau diese kleinen, subtilen (und natürlich manchmal auch sehr greifbaren und großen) Reaktionen – diese Kontraktionen – setzen sich im Körper fest und haben die Kraft, ein Gefühl von Unbehagen in unserem bewussten Erleben zu erzeugen. Was natürlich vollkommen normal ist. Es gehört dazu, wie wir mit dieser Welt in Beziehung treten. Ständig im Austausch mit dem Außen. Und genau hier setzt unsere Yogapraxis an. Sie ist der Ort, an dem wir diesen Kontraktionen begegnen dürfen. Uns die Möglichkeit geben, das zu lösen, was feststeckt. Zu bemerken, wo wir uns verschlossen fühlen, wo sich etwas zusammengezogen hat. Und diese Räume nach und nach wieder zu öffnen.

Und dann atmet etwas aus. Wir schaffen ein kleines bisschen Raum, um uns frei zu fühlen. Wir weiten uns aus – hin zum Leben.

Und das geschieht durch Präsenz. Es geschieht, wenn wir im Körper ankommen. Wenn wir mit tiefer, ehrlicher und mitfühlender Aufmerksamkeit da sind.

Wir lenken unsere Aufmerksamkeit weg von den ewigen Geschichten des Geistes – hin zum Spüren, zu den subtilen Empfindungen im Körper. Und genau das lädt bereits eine tiefere Intelligenz ein. Sodass der zusammengezogene Teil in uns wieder Raum bekommt, sich zu entfalten. Unsere Matte kann ein Ort werden, an dem wir mit unserem Körper in tiefster Ehrlichkeit kommunizieren. Wo wir alles, was da ist, einfach sein lassen dürfen. Und paradoxerweise geschieht genau dadurch, durch die reine Kraft der Präsenz und des Daseins, eine sanfte Öffnung – Kontraktionen beginnen, sich zu lösen.

Und genau deshalb liebe ich es, kleine intuitive Bewegungen oder sanfte Wellen in eine Form einzuladen. Deshalb lade ich dich dazu ein, während einer Haltung die Augen zu schließen und tiefer zu atmen – oder ganz allgemein auf deiner Matte. Denn genau dann können wir hineinspüren in das, was gerade da ist. Es entsteht Raum, um mit dem Moment in Kontakt zu kommen. Ein Innehalten, ein Lauschen. Ein Lauschen darauf, was gerade in deinem Körper lebendig ist – und was in dieser Form lebendig ist. Es ist eine Einladung, dich in diesen Formen auf genau die Weise zu halten und zu nähren, die sich für dich stimmig anfühlt. Und die Kraft, dir genau das zu schenken… 🍃

Aber eigentlich – egal welche Praxis wir wählen, ob es ein alignment-fokussiertes Vinyasa ist oder ein freier, wellenartiger Flow – all das sind nur Werkzeuge. Werkzeuge, um in Beziehung mit dem Körper zu treten. Um zu erforschen: Was ist da? Und wie kann ich dem begegnen?

Alles in deinem Leben ist miteinander verbunden.

Alles beeinflusst alles. Die Praxis besteht darin, uns immer wieder zu fragen: Wie können wir uns selbst offen und empfänglich halten für das, was wir vielleicht sonst übersehen würden? Wie können wir beginnen, die feineren Qualitäten dessen wahrzunehmen, was da ist? Und dann vielleicht zu erkennen, dass diese E-Mail, die du letzte Woche bekommen hast, der Grund für deine Rückenschmerzen ist – weil dein Körper sich zusammengezogen hat und noch keine Möglichkeit hatte, sich wieder zu lösen. Vielleicht hat das Gespräch mit deiner Freundin etwas in dir ausgelöst, ein Gefühl von Unsicherheit – und seitdem spürst du eine leicht erhöhte innere Anspannung?

Unsere Praxis ist der Ort, an dem wir beginnen können, diese Punkte zu verbinden. Zu verstehen, wie alles miteinander verwoben ist – und dem Raum zu geben. Einen weiten Raum zu schaffen, um diese Fäden zu entdecken. Denn am Ende geht es nie nur um die äußere Form. Es geht darum, wie tief du dich in dieser Form – und in der nächsten – selbst begegnen kannst. Es geht darum, deinem Körper zu begegnen. Es geht darum, dir bewusst zu werden, was da ist, um gefühlt zu werden. Unsere Aufmerksamkeit weit genug zu halten, damit wir erkennen, was sich auf der Matte zeigt. Unsere Kapazität zu erweitern – für Bewusstheit. Yoga ist eine Einladung – ein Öffnen hin zur Weite unseres Gewahrseins. Unserer Lebendigkeit.

Die tiefste Lehre von Yoga ist letztlich die Selbsterforschung: Wie tief können wir in unser eigenes somatisches, verkörpertes Erleben eintauchen, bis dieses Erleben selbst zum Lehrer wird?

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